Wo üblicherweise Staatsgäste empfangen werden, haben sich am 26. August 2009 die Tore für sechs Jugendliche, die Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Umweltministerin Lautenschläger beraten, geöffnet: Im Garten der Dienstvilla entwickelten sie Ideen für eine nachhaltige Zukunft Hessens.
Wie sieht ein Hessen der Zukunft aus, in dem junge Menschen gerne leben? Das wollten der Ministerpräsident und die Umweltministerin von den Mitgliedern des Jugendbeirats wissen. Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren sind sich einig: Es soll ein Land sein, das getragen ist von einem Gefühl von Verantwortung für die Gemeinschaft. Ein Land, das Menschen jeder Herkunft eine Chance gibt, in dem alle Menschen einen Platz finden. Ein Land, das Integration und Bildung groß schreibt, in dem die Wirtschaft floriert und Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.
Schule und Ehrenamt stärken – Nachhaltigkeit muss begeistern!
Wie aber kann man diese Vision Wirklichkeit werden lassen? Wie, so der Ministerpräsident, „die Menschen zum Mitmachen begeistern“? Die Schule spielt hier eine wichtige Rolle, sind die Jugendlichen überzeugt. Verena Walther schlägt zum Beispiel Projektarbeit über verschiedene Schulen hinweg vor: Das biete die Chance, dass sich Jugendliche engagieren und dabei über den Tellerrand ihrer eigenen Schule und Peer Group hinaussähen. Eine weitere Lösung könne das Ehrenamt sein. Yannick Horas gibt zu bedenken, dass die starke Einbindung in Schulen, auch durch G8, mit dem bürgerschaftlichem Engagement in Konkurrenz stehe. Und auch Irfan Ahmed Bhatti berichtet, dass seine Mitarbeit bei der freiwilligen Feuerwehr mit der Schule kaum vereinbar sei. Schon in der Schule beginne die Ellbogenmentalität, , ist er überzeugt. Wie kann die richtige Balance zwischen Wettbewerb und Verantwortung für die Gemeinschaft erreicht werden? Es müsse „cool“ werden, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, fordert Dragana Gerovac. Wie kann das gelingen? Was treibt Jugendliche an, sich zu engagieren? Spannende Fragen, die den Jugendbeirat auch in Zukunft beschäftigen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt in dem Gespräch galt der Wirtschaft: Wie kann nachhaltige Wirtschaft aussehen, fragt der Ministerpräsident die Jugendlichen. Wie gehen wir damit um, dass auch Unternehmen mit zukunftsfähigen, ökologisch besseren Produkten günstigere Produktionsbedingungen in anderen Ländern vorfinden? Eine klare Antwort gibt es auf diese komplexe Frage nicht. Auch hier, so der Jugendbeirat, spielt das Denken für die Gemeinschaft eine Rolle – ohne diese Voraussetzung wird Hessen, wird die moderne Industriegesellschaft nicht weiterkommen.
Der Ministerpräsident fasste das Treffen so zusammen: „Wir brauchen einen neuen Ansatz für das Miteinander in unserer Gesellschaft.“ Die Nachhaltigkeitsstrategie, davon sind alle Beteiligten überzeugt, ist der richtige Schritt in diese Richtung. Ministerpräsident Koch forderte die Jugendlichen auf, neue Ideen zu entwickeln. Das wollen die Jugendlichen tun: Beim nächsten Beirat werden sie ihre Ideen zum Bildungssystem vorstellen. Schon kleine Projekte, so Ministerin Lautenschläger, können den Weg in ein nachhaltiges Hessen der Zukunft weisen. Und sie fordert die Jugendlichen auf, gemeinsam weiter zu überlegen, wie das Interesse junger Menschen an Nachhaltigkeit gestärkt werden kann – kurz: Nachhaltigkeit muss begeistern!
