Projektarbeit
Nach vorbereitenden Gesprächen der Arbeitsgruppe mit FSC Deutschland und drei FSC-akkreditierten Zertifizierungsunternehmen kam die Projektgruppe erstmals am 16.02.2009 zusammen. In der konstituierenden Sitzung wurde deutlich, dass
- über die Wirkung und Umsetzmöglichkeiten der Standards im Hessischen Staatswald erst nach einer genaueren Evaluierung durch externe FSC-Zertifizierer befunden werden kann,
- die Auswirkungen einer möglichen FSC-Zertifizierung des Staatswaldes auf den Holzmarkt einschließlich der möglichen Konsequenzen auf den Holzverkauf für die von Hessen-Forst beförsterten Kommunalwald- und Privatwaldbetriebe durch eine Expertise des Fachministeriums näher beleuchtet werden sollte.
Von der Projektgruppe wurde daher einvernehmlich beschlossen, ein externes Gutachten durch ein erfahrenes FSC-Zertifiziererungsunternehmen einzuholen, das auch die Voraussetzungen der Zertifizierung beschreiben sollte.
Das zum Zeitpunkt der 2. Sitzung der Projektgruppe am 21.04.2009 vorliegende Gutachten zur FSC-Zertifizierung des Staatswaldes und die Holzmarktexpertise wurden von der Projektgruppe eingehend vorgestellt und bewertet. Der Landesbetrieb Hessen-Forst hat die aus dem Gutachten aus Sicht der Verwaltung abzuleitenden, forstbetrieblichen Konsequenzen dargestellt und monetär bewertet. Diese Konsequenzen wurden in der Projektgruppensitzung vom Landesbetrieb Hessen-Forst vorgetragen.
Alle Anmerkungen und Stellungnahmen zu den Bewertungen wurden gesammelt und gemeinschaftlich protokolliert. Die neutrale Moderation und das aufwändige, aber transparente Verfahren der Sammlung von Einschätzungen und Kommentaren wurden ausdrücklich anerkannt. Das gewählte Verfahren sichert damit ein hohe Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Wegen der unterschiedlichen und auch zum Teil miteinander unvereinbaren Positionen hat die Projektgruppe auf eine „Abstimmung“ und einen Entscheidungsvorschlag verzichtet. Es bestand Konsens, dass alle genannten Argumente pro und contra in den weiteren Prozess, d.h. zunächst in den Strategischen Koordinierungskreis am 08.05.2009 und danach in die 2. Nachhaltigkeitskonferenz am 03.06.2009 eingebracht werden sollten.
Der Auftrag, die Zertifizierung des hessischen Staatswaldes nach den Standards des FSC zu prüfen, ist damit abgeschlossen. Die Arbeitsgruppe hat die beiden Modelle gegenübergestellt; ein gemeinsames Ergebnis konnte nicht erzielt werden. Es wurden die potentiellen Konfliktfelder herausgearbeitet: „Baumartenwahl“, „Referenzflächen“, „Pflanzenschutzmittel-Einsatz“ sowie einige technische und administrative Abläufe. Insgesamt sind die Erfahrungen mit FSC-Zertifizierungen von Betrieben in der Größenordnung des hessischen Staatsforstes gering; es besteht Konkretisierungsbedarf. Mit der FSC-Zertifizierung ist ein finanzieller Mehraufwand verbunden, der sich zum einen aus den Kosten für die Zertifizierung an sich; zum anderen aus den Folgekosten der Zertifizierung zusammensetzt. Insbesondere über die Höhe der volkswirtschaftlichen Kosten liegen unterschiedliche Einschätzungen vor.
Klärung des weiteren Vorgehens
Anlässlich der 2. Nachhaltigkeitskonferenz wurde angeregt, mit FSC Deutschland ernsthafte Verhandlungen zur Konsensfindung aufzunehmen, da das Projekt das einzige ist, das neben „Artenvielfalt in Hessen“ einen Bezug zum Thema Biodiversität herzustellen vermag. Da ein gemeinsames Ergebnis nicht erzielt werden konnte, stand eine Beschlussfassung nicht an. Ob es gelingt, die Schwierigkeiten mit den durch das FSC-System bedingten Divergenzen zu überwinden, soll auftragsgemäß in Spitzengesprächen bis zur nächsten Konferenz geklärt werden. Ein erstes Spitzengespräch mit Frau Ministerin Lautenschläger zum Auftakt des Klärungsprozesses hat am 07.09.2009 stattgefunden. Auch daraus wurde nochmals ersichtlich, dass eine Projektvorbereitung mehr Zeit benötigt und auch notwendig ist weiter zu vertiefen, was ggf. alternativ über FSC hinaus zur Erreichung des von der Landesregierung angestrebten Ziels möglich ist.
