Alte Sorten sind nicht nur für den Apfelwein unverzichtbar
Was wäre Hessen ohne sein Nationalgetränk Apfelwein? Und was wäre das „Stöffche“ ohne die große Geschmacksvielfalt der alten regionaltypischen Apfelsorten der Streuobstwiesen?
Der Erhalt der vielen alten und regionaltypischen Sorten sichert die Zukunft der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftbetriebe, die die Äpfel der Streuobstwiesen verarbeiten. So kann auch in Zukunft eine breite Palette regionaler Produkte angeboten werden. Und aus Streuobstäpfeln werden auch leckere Apfelschaumweine, Edelbrände, Essige und vieles mehr produziert, oft sortenrein, so dass die enorme Vielfalt erschmeckt werden kann.
Gleichzeitig besitzt jede Sorte ein wertvolles und einzigartiges Erbgut. Diesen Genpool gilt es zu erhalten. Leider sind die Streuobstwiesen und mit ihnen unsere alten, regionaltypischen Obstsorten sehr gefährdet.
Unser Ansatz
Auch in Zukunft soll man in Hessen ein breites kulinarisches Angebot nutzen können. Durch die Erhaltung der Vielfalt an Apfelsorten können regionale Unterschiede erschmeckt, die hohe Qualität hessischer Lebensmittel erhalten und um neue Produkte aus heimischem Streuobst erweitert werden. Kurz: die Regionen schmecken und genießen können.
Wir haben uns die Aufgabe gestellt, in einem ersten Schritt möglichst viele alte und regionaltypische Sorten exakt zu bestimmen und zu bewerten, denn nur was man kennt, kann man erhalten.
Daran anschließend wollen wir ausgewählte Obstbäume durch intensive Pflege für die Zukunft erhalten und wieder vermehren, um sie für Neupflanzungen nutzen zu können
Wir wollen besonders junge Menschen und junge Familien für das Thema Sortenvielfalt sensibilisieren und ihnen die Vorteile der alten Sorten darstellen.
Langfristig wollen wir die Nachfrage nach Obst und Gemüse und daraus entstandenen Produkten aus regionaler Erzeugung, die einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz, zum Erhalt der Artenvielfalt, unserer Kulturlandschaft und auch der Sicherung von Arbeitsplätzen leisten, stärken.
Was haben wir bisher erreicht?
Leider haben viele Streuobstbäume in 2009 keine Früchte getragen. Trotzdem konnten wir seit Beginn des Projektes im Herbst 2009 rund 450 Apfelsorten erfassen, darunter knapp 50 alte regionaltypische Sorten. Über 150 Akteure und Interessierte konnten zum Mitmachen gewonnen werden.
Im Herbst 2009 wurden 10 samenfeste Spinatsorten ausgesät, die u.a. hinsichtlich ihres Geschmacks untersucht werden. Die Spinatblätter sollen als Bestandteil von Salaten Verwendung finden.
Was machen wir gerade?
• Wir stehen im ständigen Kontakt zu den Obst- und Gartenbauvereinen, den Kommunen und vielen anderen Organisationen und Bürgerinnen und Bürgern, die sich in diesem Bereich engagieren.
• Wir erarbeiten aktuell eine Datenbank in die die Sorten und, sofern der Besitzer zustimmt, der Standort der jeweiligen Bäume, eingestellt werden. Sie wird über die Homepage der Naturschutz-Akademie Hessen für jeden zugänglich sein. So entsteht ein ein-zigartiger Überblick über die in Hessen vorhandenen Obstsorten.
Was wollen wir im Jahr 2010 tun?
• In den letzten Wochen wurden ausgewählte Obstbäume fachgerecht geschnitten, um sie für die Zukunft zu erhalten.
• Im Frühjahr wird ein umfangreiches Sortiment alter Spinatsorten ausgesät und für die Verwendung als Salatbestandteil ge-schmacklich bewertet.
• Im Herbst soll an zentraler Stelle in Hessen ein Apfelgarten mit alten, regionaltypischen Sorten, gepflanzt werden.
• Im Herbst sollen erneut möglichst viele bisher noch nicht erfasste Sorten bestimmt und in die Datenbank aufgenommen werden.
Wie können Sie sich persönlich beteiligen?
• Unterstützen Sie unsere Arbeit durch die Meldung Ihrer alten oder regionaltypischen Obstsorten.
• Schicken Sie uns unbekannte Sorten zur Bestimmung zu.
• Achten Sie beim Einkauf gezielt auf alte Obst- und Gemüsesorten.
• Wenn Sie einen oder mehrere Obstbäume pflanzen wollen, warum nicht alte oder regionaltypische Sorten? Informieren Sie sich in Ihrer Baumschule oder bei der Naturschutz-Akademie Hessen.
• Verwenden Sie in Ihrem Gemüsegarten auch weiterhin samenfeste Gemüsesorten.
• Kaufen Sie Ihren Fruchtsaft und Apfelwein bei der Kelterei in Ihrer Nähe. Sie verarbeitet das Streuobst der Region und bietet so unverzichtbare Anreize, die Streuobstbestände zu erhalten
• Probieren Sie sortenreine Säfte, Apfelweine oder Obstschaumweine und lernen Sie so den jeweiligen Sortengeschmack kennen. Gleichzeitig leisten Sie einen wertvollen Beitrag zum Erhalt dieser Sorten.
• Greifen Sie nach Obst- und Gemüseprodukten aus der Region.
